Kulturtankstelle (07.12.20): Oldschool und Kopfnicker-Beats (6)

Im Feature: The Hills Have Ice / Neuerscheinungen: Haiyti (Influencer) und Ahzumjot (Wach Remixtape).

The Hills Have Ice

Außerdem: Nikita rezensierte das Buch “Honjok” für Euch. Film-Tipp: “Kill me today, tomorrow I’m sick”.

Hier geht’s zur Soundcloud-Seite der Rap-Crew The Hills Have Ice.

 

 

 

*** Haiyti – Influencer ***

Haiyti veröffentlichte am letzten Freitag ihr neues Album „Influencer“. Es ist nach „Sui Sui“, das erst im Juli erschien, schon ihr zweites Tape in diesem Jahr.

Haiyti fliegt irgendwie immer unter dem Radar. Vor fünf Jahren brachte sie mit Havarie ihr erstes Mixtape raus – damals noch in Eigenproduktion. Alles machte sie selbst, Musikvideos wurden mit ihrer Handykamera

Haiyti / Foto: Dean Benic

aufgenommen. Dann ging es schnell zu diversen Major-Labels, bei denen mit Montenegro Zero und Perroquet zwei weitere Alben folgten. Trotzdem scheint Haiyti nicht voranzukommen. Es gab keine Beachtung im Hip-Hop-Markt, keine Texte über sie im Feuilleton. Und Konzerte in kleinen Clubs, aus denen sie nicht so recht rauskommt.

Haiyti ohne Autotune und Dreier-Reime ist nicht möglich. Das hört man auch wieder auf Influencer. Das neue Tape ist – im Gegensatz zu Sui Sui, das mit viel Mitteleer-Flair und Hamburger Kiez spielte – eher am Abgrund unterwegs. Allerdings zieht sich das Album, viele Tracks verschwimmen miteinander. Vor allem Comeback und Sweet, bei denen Haiyti mal ausbricht, unterscheiden sich von den anderen Titeln. Vielleicht war Haiyti dann doch ein bisschen zu schnell unterwegs. Aber immerhin scheint sie in den Feuilletons angekommen zu sein. Der Deutschlandfunk bezeichnet die 27-jährige als „unbestrittene Queen of Gangster-Pop“ und die Süddeutsche Zeitung schreibt über Ronja Zschoche: „”Influencer” ein Opus, Kaliber Magnum, zu nennen, geht in jedem Fall absolut in Ordnung.“ Im März wird sie in der Elbphilharmoniein Hamburg spielen – dann ist sie dort angekommen, wo sie hin wollte.

 

*** Kill me today, tomorrow I’m sick ***

Pristina 1999. Die NATO bombardiert die serbischen Truppen, die sich nach und nach aus Kosovo zurückziehen müssen. Die Kosovo-Albaner feiern die Befreiung ihres Landes. Daraufhin stationiert die internationale Gemeinschaft Friedenstruppen in Kosovo, unter ihnen auch die OSZE-Mitarbeiterin Anna, die freie Medien in dem Land aufbauen soll.

Dieses Szenario zeichnet der Film „Kill me today, tomorrow I’m sick”. Anna, gespielt von Karin Hanczewski, ist aber schnell von der Realität desillusioniert. Die OSZE ist korrupt und ignorant und arbeitet dabei noch mit Kriegsverbrechern wie dem Kommandanten Rhaci zusammen. Um wirklich was zu verändern, muss Anna gegen ein System der Seilschaften ankämpfen. Unterstützt wird sie dabei vom Kosovaren Plaka, gespielt von Carlo Ljubek, der vor allem finanziell von der ausländischen Unterstützung profitiert.

„Kill me today, tomorrow I’m sick” ist inspiriert worden von den Notizen der OSZE-Mitarbeiterin Henriette

Karin Hanczewski (l.) / Foto: Preview Enterprises

Schroeder, die es 1999 nach Kosovo zog. Der Film zeigt die Zustände im Kosovo auf, die dort nach dem Kriegsende herrschten. Westliche Hilfsorganisationen sind in die korrupten Geschäfte des Landes mitverwickelt und arbeiten dabei mit Kriegsverbrechern zusammen. Nicht umsonst heißt der Kommandant der albanischen Freiheitskämpfer Rhaci. Der echte Anführer der paramilitärischen Freiheitsarmee des Kosovo heißt Hashim Thaçi – er war nach dem Krieg unter anderem Präsident des jüngsten Staates Europas. Bis zu seinem Rücktritt im Sommer 2020: Seitdem muss er sich wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit, die er während des Kosovo-Krieges begangen haben soll, vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag verantworten.

„Kill me today, tomorrow I’m sick” zeigt düstere Zustände aus einem kaputten Land – das auch mehr als zwanzig Jahre nach Kriegsende noch nicht so richtig auf eigenen Beinen stehen kann. Der Film wechselt ständig zwischen der englischen, deutschen, albanischen und serbischen Sprache und wirkt dadurch sehr authentisch. Dazu gibt’s eine dicke Portion Balkan-Folklore.

Da die Kinos im Frühjahr schließen mussten, lief er fast nicht auf den deutschen Leinwänden an. „Kill me today, tomorrow I’m sick” kann aber unter killmetoday.com entliehen und angeschaut werden.

 

Nächste Woche in der Kulturtankstelle: Neuerscheinungen von Brandao, Faber, Hunger und Dreimalumalpha.

Tracklist:

Interpret:in Titel
Döll Weiss
The Hills Have Ice 640°
The Hills Have Ice Basic Instinct
The Hills Have Ice Strawberry Kush
The Hills Have Ice Blue Eyes
The Hills Have Ice Gangshit
Frank Ocean Lost
Flow Motion Gute Nacht
Wu-Tang Clan Can’t It Be So Simple
Tom Hengst Edding3000
Tufu Letztes Licht
NMZS feat. Danger Dan Ich hab’ mich dran gewöhnt
Nas Represent
Eminem So Much Better
A Tribe Called Quest Electric Relaxation
Haiyti comeback
Haiyti holt mich hier raus
Haiyti sweet
grim104 2. Mai
Veysel feat. Mozzik Ti amo
Ahzumjot feat. COBEE for real
Ahzumjot feat. MAJAN radio/fuckups
Ahzumjot Montag
Danger Dan Ich werde mich isolieren
Mac Miller Hurt Feelings (Live)
070 Shake Terminal B