Review: Mit MotoGP 20 auf die Strecke

©Milestone S.r.l.

Während die Moto 2 und Moto 3 bisher in dieser Saison erst ein Rennen gefahren sind und die MotoGP selbst noch gar kein Rennen absolviert hat, veröffentlicht Milestone auch dieses Jahr wieder das offizielle Rennspiel zur aktuellen MotoGP-Saison. Mit dabei sind trotz aktueller Verschiebungen und Absagen alle 20 ursprünglich geplant Rennen der 2020er Saison, also auch der Kymiring in Finnland feiert zumindest digital sein Debüt. Gefahren werden kann auf den Strecken mit den offiziellen Teams und Fahrern der Moto 3, Moto 2 und MotoGP. Nach dem Release am 23.04. werden auch noch der Red Bull MotoGP Rookies Cup und die MotoE hinzugefügt. Ebenfalls wieder mit dabei sind einige historische Teams und Fahrer. Die MotoGP-Reihe weiß also auch dieses Jahr wieder durch ihren Umfang zu glänzen.

Das Herzstück des Spiels ist auch dieses Jahr wieder der Karrieremodus. Ähnlich wie bereits in MotoGP 17 dürfen wir uns dieses Jahr nicht nur als Fahrer, sondern gleichzeitig auch als Manager versuchen. Zunächst unterschreiben wir einen Vertrag bei einem der offiziellen Teams oder gründen kurzerhand ein eigenes und dürfen daher gar die Farbenkombination des Motorrads und Fahreranzuges bestimmen. Mit unserem Gehalt unterhalten wir dann eigene Teammitglieder. Der persönliche Manager verhandelt mit anderen Teams und versucht so für uns möglichst lukrative Vertragsangebote zu erzielen. Natürlich sind diese aber auch von unserer Leistung auf der Strecke abhängig. Der Chefingenieur und der Datenanalyst sind gemeinsam für die Entwicklung unseres Motorrads verantwortlich. Während den freien Trainings oder Testfahrten, vor und während der Saison, sammeln sie abhängig von ihrem jeweiligen Können und ihrer Chemie Erfahrungspunkte, mit denen wir Verbesserungen für unser Motorrad entwickeln lassen können. So bekommt der Karrieremodus noch einmal mehr Tiefe, ohne dabei zu wirtschaftlich anspruchsvoll zu werden. Zwar können wir über unseren Möglichkeiten leben und so pleitegehen, jedoch endet dadurch unsere Karriere nicht. Stattdessen werden unsere Teammitglieder entlassen und durch deutlich kostengünstigere, aber eben auch schlechtere ersetzt, was uns in der Entwicklungsarbeit zurückwirft.

Wer einfach nur als einer der offiziellen Fahrer auf die Strecke gehen will, kann dies in einzelnen Rennen oder einer selbsterstellten Meisterschaft tun. Mit reellen Gegnern messen wir uns im Mehrspielermodus, wahlweise gar auf dezidierten Servern. Die KI-Gegner sind jedoch nicht zu vernachlässigen, die selbstlernende Intelligenz A.N.N.A. ist auch dieses Jahr wieder dabei und hat gelernt Reifenverschleiß und Benzinverbrauch zu managen. Dies ist auch nötig, denn in MotoGP 20 wurden diese noch einmal realistischer gestaltet. So bestehen die Reifen jetzt aus einer linken und einer rechten Flanke sowie einem Mittelstreifen, die voneinander unabhängig verschleißen. Dadurch ist die Physik unseres Motorrads dieses Jahr noch stärker davon abhängig, wie viel Sprit wir im Tank haben und welche Reifenmischung wir aufziehen. Ebenfalls wurde auch der Einfluss von Berührungen und Unfällen, sowohl auf das Aussehen des Motorrads, als auch dessen Physik überarbeitet. Die Rennen werden dadurch noch einmal taktischer, was besonders für erfahrende Spieler neue Anreize setzt und ungemein zum Realismus beiträgt.

Besonders in der höchsten Klasse, der MotoGP, steigt so noch einmal die Herausforderung, die hochmotorisierten Motorräder zu kontrollieren und sturzfrei um den Kurs zu bewegen. Das Feedback der Motorräder macht dies jedoch möglich, wodurch mit etwas Übung auch diese Rennmaschinen zu kontrollieren sind. Um auch wirklich schnell zu sein, benötigen wir dann aber doch noch etwas mehr Übung. Einsteiger versuchen sich lieber zunächst an den kleineren Klassen und werden dabei zudem wahlweise durch hinzuschaltbare Fahrhilfen unterstützt. Insgesamt ist das Fahrgefühl auch dieses Jahr wieder nachvollziehbar und motivierend, trägt also deutlich zum Spielspaß bei.

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Im Historischen Modus erhalten wir täglich neue Aufgaben, für deren Abschluss wir Guthaben erhalten, mit dem wir auf dem Markt die historischen Teams und Fahrer freischalten können. Das Angebot auf dem Markt ändert sich jedoch ebenfalls regelmäßig. Die Aufgaben bestehen aus kurzen Rennen mit eben den historischen Motorrädern, wodurch sich der Modus als gute Abwechslung für Zwischendurch eignet. Nicht nachvollziehbar ist hingegen, warum nicht zu jeder Zeit alle Fahrer und Teams zum Kauf bereitstehen. MotoGP 20 versucht uns so auf doppelte Weise zum täglichen Spielen zu animieren und zumindest nachzuschauen, ob wir heute endlich unseren Lieblingsfahrer freischalten können. Hier hätte Milestone die Zeit der Spieler mehr respektieren und diesen Trend, der fast schon zwanghaften Bindung der Community an ein Spiel, auslassen sollen. Dadurch fällt der historische Modus im Vergleich zu den letzten Jahren schwächer aus.

Dafür sind in MotoGP 20 die im Vorgänger eingeführten Editoren wieder im vollen Umfang vorhanden. Unser Fahrer für die Karriere oder Einzelrennen kommt bei Bedarf also keineswegs generisch daher. Mit zahlreichen Designvorlagen dürfen wir Sticker, Fahrernummern, Rückenaufnäher und Helme erstellen, erstere lassen sich bei den anderen anwenden. Zusammen mit den bereits angeführten Anpassungsmöglichkeiten neugegründeter Teams im Karrieremodus, können wir unserer Kreativität also freien Lauf lassen und müssen den offiziellen Fahrern so vom Aussehen her in nichts nachstehen.
Wo wir beim Aussehen sind, die Motorräder sehen auch dieses Jahr wieder super aus. Getreu der Reihe stehen die Zweiräder im Mittelpunkt und sind detailverliebt ins Spiel implementiert worden. Auch die Strecken selbst sind noch ganz ansehnlich, abseits der Strecke ist jedoch wenig los und die Landschaft und Tribünen sind keine wahren Hingucker. Auch dies ist jedoch bei der MotoGP-Reihe nicht neu. Die Reihe setzt bei der Grafik ein deutliches Augenmerk und das setzt sie gut. So setzt MotoGP 20 grafisch keine neuen Standards, fällt aber auch insgesamt nicht negativ auf und läuft zudem flüssig.

 

Fazit:

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MotoGP 20 baut auf seinem guten Vorgänger auf, übernimmt dessen Anpassungsmöglichkeiten und verleiht dem Spiel auf und neben der Strecke mehr Tiefe. So bietet das Spiel dieses Jahr auch Veteranen neue Anreize. Serienstärken wie das Fahrgefühl und die Darstellung der Motorräder kommen erneut zum Tragen. MotoGP 20 ist also eine Weiterentwicklung der Stärken von MotoGP 19, fügt gleichzeitig aber einige Features für einen höheren Realismus, mehr Motivation und Spielspaß hinzu. Deshalb ist MotoGP 20 nicht nur Neueinsteigern und solchen, die den Vorgänger ausgelassen haben zu empfehlen, sondern auch jenen, die MotoGP 19 besitzen.
MotoGP 20 ist ab dem 23. April für PlayStation 4, Xbox One, Nintendo Switch, PC und Google Stadia erhältlich.

Nico

ist der Moderator der Storchenschau und ab und an anderer Sendungen. Außerdem testet er Videospiele.