Kulturtankstelle (06.09.21): Cappuccino oder Flat-White? (30)

Irgendwas Richtung Punk und Post-Rock zu Beginn, dann nach einiger neuer Musik und ein bisschen Sabbeln mehr seichtere Musik.

Nachhören

Das geht auf digitalem Wege hier. Am besten trinkt man dazu einen guten Wein. Und sonst wird die Kulturtankstelle No 30 am 13.09. und 20.09, beides Montage, von 22-24 Uhr auf 101.2 MHz (Kiel) und campusradiokiel.de/live wiederholt.

Debütalbum: Special Kind Of Violence von Laddermen

Die Schweizer Post-Punk-Band Laddermen hat ihr Debütalbum Special Kind Of Violence veröffentlicht. Die Band kommt vom Ufer des Vierwaldstättersees aus Luzern, wobei es deren Sänger Leopold Oakes aus den USA zu den Eidgenossen gezogen hat. Er singt in dem Album viel darüber, wie es ist, in einem neuen Zuhause anzukommen.

Special Kind Of Violence umfasst elf Tracks und geht stark in die Post-Punk / Post-Rock-Schiene. Und klar, dabei kommen Gedanken an Interpol und vor allem die Editors auf. Es gibt treibende Gitarrenriffs und die dunkle Stimme von Leopold Oakes, die selten ruhig ist, eher laut, manchmal resignierend, öfters doch entschlossen. Das Debüt paced auf dem Gaspedal über die Pässe der Schweizer Alpen und geht immer nach vorne.

Klar: Das Album orientiert sich stark an der Musik der Editors. Klar: Das hat man alles schon mal gehört und gefühlt. Aber auch klar: Das zehnte Bier kann auch noch gut schmecken.

Weitere Musik: Sam Himself & Good Morning

Sam Himself ist ein Schweizer Songwriter, der in New York gelandet ist. Durch den Covid-Ausbruch zog es ihn zurück in die Schweiz, nach Basel. Dort schrieb er an seinem Debütalbum, das er anschließend im Januar 2021 in New York aufnahm. Zuletzt ist die Single La Paz erschienen.

Aus Australien kommt das Musik-Duo Good Morning. Bestehend aus Liam Parsons und Stefan Blair, die über das Erwachsenwerden und die daraus resultierenden Sehnsüchte, Wünsche und Bedürfnisse singen. Ihr Album Barnyard erscheint am 22. Oktober.

Konzerttipp: Shitney Beers in der hansa48

Shitney Beers in Mannheim © Sebastian Igel

Die Mannheimer Künsterlin Shitney Beers ist am Donnerstag, den 23. September 2021, für ein Konzert in der hansa48 zu Gast. Ihre Musik geht stark Richtung Singer-Songwriting, meist nur von Gitarre begleitet. Und gleichzeitig weicht sie doch sehr ab von Konventionen. Hört am besten mal rein, 5er-Tickets kosten knappe 38 Euro – also nicht mal 8 Tacken pro Person. Da könnt ihr auch fast alleine hingehen…

 

Filmtipp: Kill Me Today, Tomorrow I’m Sick

Pristina 1999. Die NATO bombardiert die serbischen Truppen, die sich nach und nach aus Kosovo zurückziehen müssen. Die Kosovo-Albaner feiern die Befreiung ihres Landes. Daraufhin stationiert die internationale Gemeinschaft Friedenstruppen in Kosovo, unter ihnen auch die OSZE-Mitarbeiterin Anna, die freie Medien in dem Land aufbauen soll.

Dieses Szenario zeichnet der Film „Kill me today, tomorrow I’m sick”. Anna, gespielt von Karin Hanczewski, ist aber schnell von der Realität desillusioniert. Die OSZE ist korrupt und ignorant und arbeitet dabei noch mit Kriegsverbrechern wie dem Kommandanten Rhaci zusammen. Um wirklich was zu verändern, muss Anna gegen ein System der Seilschaften ankämpfen. Unterstützt wird sie dabei vom Kosovaren Plaka, gespielt von Carlo Ljubek, der vor allem finanziell von der ausländischen Unterstützung profitiert.

Karin Hanczewski (l.) / Foto: Preview Enterprises

„Kill me today, tomorrow I’m sick” ist inspiriert worden von den Notizen der OSZE-Mitarbeiterin Henriette Schroeder, die es 1999 nach Kosovo zog. Der Film zeigt die Zustände im Kosovo auf, die dort nach dem Kriegsende herrschten. Westliche Hilfsorganisationen sind in die korrupten Geschäfte des Landes mitverwickelt und arbeiten dabei mit Kriegsverbrechern zusammen. Nicht umsonst heißt der Kommandant der albanischen Freiheitskämpfer Rhaci. Der echte Anführer der paramilitärischen Freiheitsarmee des Kosovo heißt Hashim Thaçi – er war nach dem Krieg unter anderem Präsident des jüngsten Staates Europas. Bis zu seinem Rücktritt im Sommer 2020: Seitdem muss er sich wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit, die er während des Kosovo-Krieges begangen haben soll, vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag verantworten.

„Kill me today, tomorrow I’m sick” zeigt düstere Zustände aus einem kaputten Land – das auch mehr als zwanzig Jahre nach Kriegsende noch nicht so richtig auf eigenen Beinen stehen kann. Der Film wechselt ständig zwischen der englischen, deutschen, albanischen und serbischen Sprache und wirkt dadurch sehr authentisch. Dazu gibt’s eine dicke Portion Balkan-Folklore.

Tracklist:

Interpret:in Titel
Tez Get Out Satan
Das Blanke Extrem Alles in schönster Ordnung
Fontaines D.C. Televised Mind
Turbostaat Alles bleibt konfus (live)
Turbostaat Harm Rochel (live)
Laddermen Welcome to the 20’s
Laddermen Houston Morphine
Editors Smokers Outside The Hospital Doors
Good Morning Country
Clap Your Hands Say Yeah Let the cool godness rust away
Cold War Kids We Used To Vacation
Tocotronic Es ist egal, aber
Tocotronic Meine Schwester
The Smiths There is a light that never goes out
Schreng Schreng & La La Eltern
Love A Nachbarn
Zahlaza Ich weiß
Tiflis Transit Bazon’s Song
Fetzen Bank
Sam Himself La Paz
Scotch & Water Falling
Scotch & Water Take Me Far Away
Balthazar On A Roll (Sandcastle Tapes)
Mac DeMarco Moonlight on the river
Frogcodile Smoke & Mirrors
Shitney Beers Nouri Hadig
Glen Hansard Once

Aus dem tiefen Süden im hohen Norden gelandet, moderiert Moritz montags die Kulturtankstelle beim Campusradio Kiel. Tiefentspannt, mit guter Musik und einem kühlen Pils. Später dann irgendwann früh aufstehend und mit Kaffee bei der Presseschau des Deutschlandfunks.