Kulturtankstelle (22.11.21): Seien Sie vorsichtig mit Sekt! (37)

Die Freiburger Post-Punk-Band “Das Blanke Extrem” und “Pip Blom” aus Amsterdam waren musikalische Themen. Und dann drehte sich noch viel um die Kino-Leinwände, Veranstaltungen in Kiel und die laschen Corona-Maßnahmen auf dem Kieler Weihnachtsmarkt.

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Veranstaltungstipps

  • Am Dienstag (23.11.) wird im hansaFilmpalast der animierte Dokumentarfilm “Red Cunt. Reconsidering Periods” gezeigt. Der Film ergründet, warum Menstruation immer noch ein schambehaftetes Tabu ist und zeigt, wie diese Zustände überwunden werden können. Los geht’s um 20.00 Uhr.
  • In der Pumpe tritt am Donnerstag (25.11) “Botticelli Baby” auf. Die WELT sagt: “Wenn Jazz mit Punk flirtet”. Die Band ist mit ihrem Album “SAFT” auf Tour. Das Konzert beginnt um 20.00 Uhr, das Campusradio ist mit Reporter:innen vor Ort.
  • Am Freitag (26.11.) steigt die Kornmoran-Party der Bio-Fachschaft. Das ganze steigt ab 23.00 Uhr im Ben Briggs.
  • Nach sechs Jahren schließt das Café Godot seine Türen: Inhaber Kaweh Kordouni möchte mehr Zeit haben, um Filme zu drehen. Die Abschiedsparty “Adios Café Godot” steigt am Samstag (27.11.) ab 18.00 Uhr. Ein Interview mit Kaweh Kordouni findet ihr hier.

    Kaweh Kordouni schließt sein Café Godot

  • Konzerte steigen demnächst im Hamburg: Am Sonntag, den 05.12., sind “The Düsseldorf Düsterboys” im Knust zu Gast. Am Donnerstag, den 09.12., dann CULK im Hafenklang.

Das Blanke Extrem – Unheimlich nette Leute

“Unheimlich nette Leute” ist das zweite Album der Freiburger Punk-Band “Das Blanke Extrem”. Das ist eine 4-köpfige Band aus der Wohlstandstadt Freiburg. 2018 kamen sie erstmals zusammen, 2019 veröffentlichten sie ihr Debütalbum „Alles in schönster Ordnung“. Das damalige Release-Konzert wurde im ausverkauften Swamp in Freiburg gefeiert. Dessen Inhaber Chico ist kürzlich verstorben – und ihm zuliebe haben „Das Blanke Extrem“ beim jetzigen Release-Konzert einen Song von den Fontaines gecovert. Denn Chico war ein großer Fan der irischen Band, und das Extrem eben auch.

Das Blanke Extrem © Sévérine Kpoti

Zwei Jahre nach ihrem Release-Konzert im Swamp stand das zweite Album-Release an. Dieses Mal im Freiburger Slow Club – das Veranstaltungshaus ist zugleich ein eingetragener Verein für notwendige kulturelle Maßnahmen. Und die am letzten Freitag war dringend notwendig: Feinster Post-Punk, aufgenommen und zuhause in Freiburg. Das Release-Konzert vom Blanken Extrem war schon mehrere Wochen im Vorhinein ausverkauft.

Und das zurecht: Denn auf der neuen Platte „Unheimlich nette Leute“ hört man: Das Blanke Extrem ist immer noch wütend, und es gibt immer noch viel zu sagen. Die Freiburger Band ist genervt vom Alltag, von all den Leuten, die auf der Straße absichtlich langsam gehen, genervt von Räumen, die einem nach und nach genommen werden. Logischerweise wird man dann sauer. Aber wer immer dagegen ankämpft, den verlässt auch irgendwann die Kraft.

Auf ihrem Debütalbum „Alles in schönster Ordnung“ strotzten das Blanke Extrem noch vor Energie: Alles musste möglichst laut raus. Auf dem jetzt erschienen Nachfolger „Unheimlich nette Leute“ stimmen sie auch mal ruhigere Töne an, die Gitarren gehen nicht immer straight nach vorne. Generell ist alles etwas verspielter.

Sänger David Sipple spielt mehr mit seiner Stimme und probiert sich mehr aus. So ist er jetzt auch mal in den tieferen Frequenzen anzutreffen, was die Platte deutlich nach vorne bringt. Die Angestrengtheit vom ersten Album geht so ein bisschen flöten, dafür entwickelt sich aber „Unheimlich nette Leute“ deutlich mehr in Richtung Post-Punk.

Das Blanke Extrem haben sich mit ihrer jüngsten Veröffentlichung nochmal selbst übertroffen. „Unheimlich nette Leute“ ist vom Wahnsinn der Zeit beeinflusst. Und die Jungs vom Extrem prangern immer noch die Gesellschaft an, in der sie leben. Aber in die Songs schleicht sich langsam die Resignation ein.

Neuerscheinungen von Polar Klub, okNoah & Pip Blom

Gleich zwei der Neuvorstellungen kommen aus der Schweiz: Zum einen ist das die Post-Punk-Band “Polar Klub” aus dem Glarnerland. Gerade kam ihre neue Single “I Feel It Too” heraus. Und dann ist da noch okNoah, ein Bedroom-Pop-Künstler aus Bern. Seine Singleauskopplung “Bitter Sweet” läuft schon seit ein paar Wochen bei uns im Programm, jetzt ist seine Debüt-EP “Maybe Tomorrow” erschienen. Der 22-jährige nutzt die Musik, um sich auszudrücken. Seine Songs handel unter anderem von Indentität, Ängsten und Einsamkeit. Die ganze EP wurde in seinen vier Wänden produziert.

Pip Blom kommen aus Amsterdam

“Pip Blom” heißt eine 4-köpfige Band aus Amsterdam. Der Name der Band deckt sich mit dem der Sängerin: Und die haben gemeinsam ihr 2. Album “Welcome Break” herausgebracht. Die Songs dazu sind in Pip Bloms Elternhaus entstanden, wo sie sich das Zimmer mit ihrem Bruder und einem Bandkollegen geteilt hat. Final ausgearbeitet und aufgenommen wurde die Platte anschließend im englischen Ramsgate: Eine Hafenstadt im Südosten Englands mit knapp 40.000 Einwohner:innen. Das Album “Welcome Break” geht manchmal straight nach vorne, manchmal ist es wild, manchmal nachdenklich.

 

Tracklist:

Interpret:in Titel
LIFE Friends Without Names
Fontaines D.C. Liberty Belle
Das Blanke Extrem Der Anfang vom Ende
Das Blanke Extrem Pop-Up Store
Das Blanke Extrem Von allen Geistern nie gut besucht
Shitney Beers tba
Shitney Beers Lourdes
Tocotronic Ich glaube, ich habe meine Unschuld verloren [live im Heinz Karmes, 1995]
Tocotronic Alles was ich will ist, nichts mit Euch zu tun haben [live, 1997]
Tocotronic Ich bin drei Schritte vom Abgrund entfernt [live im Heinz Karmes, 1995]
Porridge Radio Nephews
Love A Unkraut
Polar Klub I Fell  It Too
Holy Motors Descending
Pip Blom It Should Have Been Fun
Pip Blom Different Tune
The Uglies Big & Ugly
The Düsseldorf Düsterboys Traurige Gesichter
CULK Deine Rahmung
Interpol Hands Away
okNoah sort it out
Cloud Cloud Love
Bess Atwell Co-op
Tarer Crush My Feelings
Cigarettes After Sex Nothing’s gonna hurt you baby
indigo sparke golden age

 

Aus dem tiefen Süden im hohen Norden gelandet, moderiert Moritz montags die Kulturtankstelle beim Campusradio Kiel. Tiefentspannt, mit guter Musik und einem kühlen Pils.