Kulturtankstelle

Kulturtankstelle (23.11.20) – Herbst, Wein und Indie-Pop (4)

Die Kulturtankstelle bringt mit herbstlichen Klängen die Hörer:innen Richtung Mitternacht. Unter anderem mit Tiflis Transit, CATT und Molchat Doma. Im Interview: der Schauspieler und Kabarettist Florian Hacke.

Die Neuveröffentlichungen im Überblick:

***CATT – Why, Why***

Die Sängerin CATT – Foto: Anika Zachow

In einem Haus der Roger-Willemsen-Stiftung am Rande Hamburgs dürfen jährlich mehrere Stipendiaten wohnen und sich musikalisch ausprobieren: Die Sängerin CATT lebte dort für zwei Monate. Dort fand sie Ruhe und konnte an ihrer Musik arbeiten. Die 25-jährige ist schon seit mehreren Jahren mit unterschiedlichen Künstlern auf Bühnen unterwegs: Mal am Klavier, mal mit ihren Bläsern, mal mit Gesang. Vor zwei Jahren nahm sie dann ihre ersten Songs selbst auf und brachte schließlich beim Berliner Label Listenrecords ihre Debüt-EP Moon heraus.

Seitdem sind vierzehn Monate vergangen und CATT präsentiert eine neue Platte. „Why, Why“ heißt der Langspieler. Es ist ein Herbstspaziergang durch den Wald. Alles ist ruhig, die Blätter rascheln, und etwas Melancholie liegt über allem wie ein leichter Nebel. CATT hat Trompeten, Orgeln, Bläser und ihr Klavier auf die Platte gepackt. Und natürlich ihre klare Stimme. Zusammengefügt ergibt „Why, Why“ ein leichtfüßiges Pop-Album, das wunderbar in diese Jahreszeit passt.

***Tiflis Transit – A Dim Daze***

Fabian Tille, Sänger von Tiflis Transit – Foto: Thi Thuy Nhi Tran

Tiflis Transit haben eine schöne EP herausgebracht, die Erinnerungen an Charlie Winston wachwerden lässt. A Dim Daze heißt die EP, die sehr unaufgeregt und abwechslungsreich daherkommt. Das Schlagzeug gleitet durch die Songs, die von Fabian Tills Stimme in Szene gesetzt werden. Tiflis Transit sagt selbst, dass sie Blue Soul machen. Auch die Farbe Blau dominiert die EP. Sie ist jetzt auf dem Markt, und eigentlich ist die gar keine EP, sondern eher eine LP. Denn auf der A-Seite der Platte ist die neue EP namens A Dim Daze, auf der B-Seite dann die Songs von Mondaene Dysfunction, die vor drei Jahren auf Tape erschienen sind. Ein schöner analoger Schritt von Tiflis Transit, bei dem die Flasche Wein am Abend mit dem schönen Knistern des Plattenspielers noch besser genossen werden kann.

 

***Molchat Doma – Monument***

Molchat Doma hat mit Monument ein neues Album veröffentlicht. Wer das wunderbare Vorgängeralbum Etazhi mit Songs wie Tancevat und Volny mochte, wird bei der neuen Platte enttäuscht sein. Stoisch und gelangweilt klingen die Songs, die das Album eröffnen. Der

Molchat Doma

Synthesizer dudelt vor sich hin, erzeugt dann aber doch keine Melodie. Es wirkt alles so, als ob auf Knopfdruck ein Hit hätte produziert werden sollen. Mit dem weiteren Verlauf des Albums nimmt die anfängliche Aufgeräumtheit langsam ab, warme Sounds und Dunkelheit sind dann eher zu spüren.

Mit dem neuen Album verabschiedet sich Molchat Doma von ihrem bisherigen Post-Punk und bedient sich eines neuen Stils, der sich wie das Feiern eines 30. Geburtstages anhört, der nun endgültig die Spießbürgerlichkeit besiegelt. Die Entwicklung der Musik zwischen den beiden Alben ist wie der Stilwechsel, den New Order nach Ian Curtis‘ Tod als Nachfolger von Joy Division begingen. Die Fußstapfen waren groß, die Schuhe dann aber doch zu klein.

 

Tracklist:

Interpret:in Titel
Balthazar I’ll Stay Here
Grand Pax Wavey
Fortuna Ehrenfeld Bengalo
The Düsseldorf Düsterboys Meine Muse
Molchat Doma Tancevat
Molchat Doma Otveta Net
Human Tetris Bravery
Schubsen Flucht
Pauls Jets Diese Villa ist verlassen
Ansa Sauermann Al Pacino
Der Nino aus Wien Winter im April
Dreimalumalpha Ohne Theorie keine Revolution
Tocotronic Dieses Jahr
Wanda Café Kreisky
Lea Porcelain Choirs To Heaven
Bon Iver Towers
Schreng Schreng & La La Behind The Garage
Andrea Bignasca Most Times
Editors Fall
Muzz Everything Like It Used To Be
Sinai Vessel Where Did You Go?
Aldous Harding Horizon
CATT Surface
Benedikt feat. Tuvaband My Killer
Tiflis Transit Doze
Tiflis Transit Bazon’s Song
Glen Hansard, Markéta Irglová Once

Aus dem tiefen Süden im hohen Norden gelandet, moderiert Moritz montags die Kulturtankstelle beim Campusradio Kiel. Tiefentspannt, mit guter Musik und einem kühlen Pils. Später dann irgendwann früh aufstehend und mit Kaffee bei der Presseschau des Deutschlandfunks.