The Düsseldorf Düsterboys: Um 180° gedreht und straight nach vorne!

Im ausverkauften Knust (Hamburg) spielten “The Düsseldorf Düsterboys” wohl ihr letztes Konzert des Jahres. Wir waren mit dabei und können sagen: Live-Auftritte von Peter Rubel und Pedro Goncalves Crescenti (& Band) machen jede Menge Spaß!

Für manche Menschen mag sich die Musik von „The Düsseldorf Düsterboys“ vielleicht ein bisschen ulkig anhören. Und vielleicht ist sie das auch, aber nach der Zeit – und spätestens, wenn man deren Song „Kaffee aus der Küche“ gehört hat, findet man in die Musik rein. Die Köpfe hinter „The Düsseldorf Düsterboys“ sind Peter Rubel und Pedro Goncalves Crescenti. Und die beiden wohnen nun mal im hässlichen Essen und sagen von sich selbst: Wir machen Musik für die Party nach der Party.

Und das machen die beiden Freunde jetzt schon seit mehr als acht Jahren. Bisher sind aber nur zwei EP’s und ein Album rausgekommen. Das mag vielleicht daran liegen, dass Peter und Pedro auch noch eine zweite Band mit fast der gleichen Besetzung haben, und zwar „International Music“. Aber dazu will ich gar nicht mehr sagen, denn heute geht’s um die Düsterboys.

Denn die haben ein wunderbares Konzert im ausverkauften Knust in Hamburg gespielt. Ich war im Vorhinein ein bisschen skeptisch, denn vor zwei Jahren war ich schon mal auf einem Konzert von „The Düsseldorf Düsterboys“ und war von der aufkeimenden Langeweile und der überspielten Melancholie eher enttäuscht. Aber im Knust war schon nach einem Song klar, dass die beiden Musiker bei ihren Auftritten eine ganz schöne Wendung hingelegt haben. Einmal um 180° drehen und dann straight nach vorne.

Die Düsterboys (v.l.): Peter Rubel, Edis Ludwig, Pedro Goncalves Crescenti, Fabian Neubauer © Lukas Vogt

Peter Rubel wackelte mit den Hüften und sang aus seinem Becken, Pedro Goncalves Crescenti verstand sich als Spaßvogel und sang mit Leib und Seele mit. Ergänzt wurden die beiden durch ihren stoischen Schlagzeuger Edis Ludwig, der die Musik sehr gefühlt hat, und den wunderschönen Fabian Neubauer an der Orgel. Die vier Musiker machten aus den Studioaufnahmen so laute, schnelle und actionreiche Live-Songs, so weit es halt die Songs von „The Düsseldorf Düsterboys“ zulassen. Das Publikum war voll dabei und lechzte nach weiteren Songs. Vor allem auch nach den sinnlosen Zeilen von Pedro, der manchmal in den Instrumental-Parts der Songs einfach von Autobahnen, LKW’s und Plastiktüten sang. Wenn Pedro und Peter so auf der Bühne stehen, macht es auch einfach ganz viel Spaß, den beiden beim Gitarre spielen zuzuschauen. Denn das können die beiden Masterminde sehr gut.

Was auch sehr zur Freude des Publikums beigetragen hat, war, dass „The Düsseldorf Düsterboys“ einige neue Songs gespielt. Und davon waren auch einige sehr, sehr gut. Es waren etwa sieben bis acht neue Tracks, so ganz konnte ich aber nicht mitzählen, weil es so viele waren. In den neuen Songs ging es um Lavendeltreppen, Einsamkeit beim Döneressen und die Fahrt in den Sommer.

Und sonst so war das Konzert von „The Düsseldorf Düsterboys“ natürlich auch beste Unterhaltung. Pedro zeigte seine schön gemalte Setlist, Peter war mit seiner etwas schlichter unterwegs – aber beides sah eher nach Kunstunterricht in der Grundschule aus. Und als Pedro während eines Songs einen „FC St. Pauli“-Schal übergeworfen bekam, johlte natürlich das proletarische Publikum im Knust.

Für „The Düsseldorf Düsterboys“ war es wahrscheinlich der letzte Auftritt in diesem Jahr, die restlichen Tourtermine fallen wohl ins Wasser. Aber vielleicht hat das gerade auch dazu geführt, dass die Band den Abend nochmal in vollen Zügen genießen wollte. Genauso wie das euphorische Publikum – und am Ende hatten beide Seiten nach diesem grandiosen Konzert einfach ganz, ganz viel Spaß. „The Düsseldorf Düsterboys“ sind dann irgendwann wieder auf Konzerten und vielleicht auf einer neuen Platte zu hören. Überübermorgen, oder vielleicht auch übernächstes Jahr.

Diskographie

  • 2018: Alkoholgedanken (EP)
  • 2019: Nenn Mich Musik
  • 2020: Winter (EP)

Aus dem tiefen Süden im hohen Norden gelandet, moderiert Moritz mittwochs die Kulturtankstelle beim Campusradio Kiel. Tiefentspannt, ohne Schuhe, mit guter Musik und einem kühlen Pils.